Die grösste Zukunfts-Sorge

Hofnarren-Frage im Juli 2011:

Welches ist Ihre grösste Zukunfts-Sorge?

das leidige oder fröhliche Verarmen - oder?

Meine größte und zugleich heimlichste Zukunftssorge ist es zu verarmen und unter einer Brücke schlafen zu müssen. Ich kann mich da gut reinsteigern und spüre schon fast die Kälte, das abolute Alleinsein und Ausgestoßensein aus der menschlichen Gesellschaft.
Eigenartigerweise hab ich davor aber nicht die totale Angst, sondern fühle mich auch erleichtert bei dem Gedanken. Ich hätte dann keinerlei Verpflichtungen mehr, müsste keinem etwas schuldig sein, keinerlei Erwartungen erfüllen und müsste auch nicht länger mir meine Erwartungen erfüllen müssen.
Ich wäre vogelfrei, meine Tage wären bestimmt von dem Kampf ums Essen, den Schlafplatz und anderen täglich wiederkehrenden Verrichtungen.
Ich müsste mir nicht mehr Gedanken machen ob ich "richtig" lebe, ob ich zur Zerstörung der Welt beitrage, ob ich ohne es zu wissen Kinderarbeit unterstütze oder Kriege irgendwo auf der Welt. Ich bräuchte nicht länger ein schlechtes Gewissen zu haben wenn ich lese oder sehe wie Menschen verhungern, gefoltert werden oder einfach nur in einem der unzähligen Kriege umkommen. Ich wäre dann ja einer von den Armen, Ausgestoßenen und wäre frei von dem Druck den ich mir jetzt mache.

Also, meine größte Sorge ist es wohl, kein rechtes Leben zu leben, viele viele Fehler zu machen und ohne es zu wollen anderen Lebewesen und unserem Planeten Schaden zuzufügen. Ich fühle mich überfordert mit dieser Last auf meinen Schultern - abgeben kann ich sie aber auch nur kurzzeitig. Scheuklappen aufsetzen hilft, aber tief in mir drinnen spüre ich dass das nur eine scheinbare Hilfe ist und nur meinem kleinen Wohlbefinden dient und sonst niemandem.
Gleichzeitig sorge ich mich darum meinen täglichen Kampf um ein rechtes Leben eines Tages aufzugeben und mich zurückzuziehen aus dieser Welt und nur noch für mich zu leben und mich unter einer imaginären Brücke zu verstecken. Vielleicht ist das mit ein Grund für Demenz - der Wunsch danach nichts mehr wissen müssen, nichts mehr entscheiden müssen - irgendwie gleichzeitig da und auch weg zu sein.

Mit lieben, nachdenklichen Grüssen - Esther

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